RETROPIA – Sprechen über Sehnsuchtsbilder vom Land

Volkskundemuseum Wien

5.4. – 2.6.2019

Die Ausstellung RETROPIA – Sprechen über Sehnsuchtsbilder vom Land ist Teil der Forschungsprojekte Stadt-Land-Kind und Stadt-Land-Bild der Akademie der bildenden Künste Wien in Kooperation mit dem Labor für empirische Bildwissenschaft der Universität Wien, der Ludwig-Maximilians-Universität München und dem Volkskundemuseum Wien. Die Projekte werden im Rahmen der Förderprogramme Sparkling Science und Top Citizen Science durchgeführt und vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung gefördert.

Kurzinformation

Inmitten der digitalen Revolution, globaler Krisen und individueller Verunsicherungen steht der aktuelle Trend der Rückwärtsorientierung. Dieses Phänomen wird von einer neuen Sehnsucht nach dem Land begleitet. Dabei bieten Vorstellungen und Darstellungen von idyllischer Ländlichkeit einen vielversprechenden Bezugsrahmen, der sich mit Idealen wie einem gesicherten und gesunden Familienleben in einem intakten Naturraum auflädt. Indes werden Probleme wie Landflucht und Überalterung ausgeblendet.

Entsprechende Bildwelten zeigen fotografisch perfektionierte Ausschnitte von Berg-, Wald-, und Flusslandschaften. Sie sparen unerwünschte Zivilisationserscheinungen aus und betonen traditionelle Dorfarchitekturen, alte Handwerks- und Alltagspraxen. Dabei sieht es so aus, als würden im Sinne einer heimatlichen Verortung von Produkten und Personen bewusst regional vertraute Landschaftsformen herangezogen und immer wieder aufs Neue reproduziert. Die Forschungsausstellung RETROPIA hinterfragt diese Sehnsucht nach dem Land und analysiert gemeinsam mit den Ausstellungsbesucher*innen entsprechende Bildpolitiken: Was steckt hinter diesen (Heimat-)Bildern? Welche individuellen Geschichts- und Zukunftsvorstellungen treffen sich, wenn Menschen verschiedener Generationen gemeinsam anhand dieser Bilder über ihr Leben und ihre Sehnsüchte sprechen?

Zur Ausstellung

Ausgehend von der Fotosammlung des Volkskundemuseum Wien zeigt die Ausstellung Ergebnisse der Forschungsprojekte Stadt-Land-Kind und Stadt-Land-Bild, welche mit Bürger*innen in Österreich – vom Schulkind bis zur Seniorin – ergründen, was das Ländliche heute für uns als Individuen und als Gemeinschaft bedeutet. Die Ausstellung führt zum einen über visuelle und audio-visuelle Dokumente in die Forschungsarbeit ein und setzt zum anderen das Forschen mit Besucher*innen im Ausstellungsraum fort. Das Nachvollziehen der im Vorfeld der Ausstellung geleisteten Forschungsarbeit ermöglicht etwa eine Videoinstallation zu generationsübergreifenden Bildgesprächen, Schaubilder liefern Informationen zu den bisherigen Forschungsergebnissen, und über ein Panoramafernrohr können neu entstandene Landschaftsfotografien mitforschender Kinder und Jugendlicher betrachtet werden. Zum Mitforschen lädt die Ausstellung über Multi-Media-Stationen und Workshop-Formate ein. Das Ziel dieser gemeinsamen Forschung ist es – jenseits eines vorgefertigten Stadt-Land- oder Rechts-Links-Denkens – unterschiedlichen Wahrnehmungen, Meinungen und Erfahrungen eine Stimme zu geben und so gemeinschaftlich im Ausstellungsraum einen offenen Heimatbegriff zu verhandeln.

Mitforschen und Mitgestalten

Über eine raumgreifende multimediale Installation aus weitläufigen Touch-Walls können die Fotografien des Projekts erfahren und erforscht werden. Geforscht wird mit dem Social Image Tagging-Spiel ARTigo. Hier können die Besucher*innen anhand von Impuls-Bildern ihre Erfahrungen, Assoziationen und Sehnsüchte beschreiben. Die von ihnen selbst und anderen gemachten Beschreibungen können anschließend auf den großen Touch-Walls durchforstet und analysiert werden, indem die Beiträge der Besucher*innen – den jeweiligen individuellen Interessen und Vorlieben entsprechend – laufend zur Neuordnung der Bildinhalte genutzt werden. Dabei werden nicht nur die Bildwände ohne Zutun von Museumskurator*innen immer wieder neu gestaltet, sondern gemeinsame Sichtweisen ebenso wie Unterschiede in der Betrachtung und Bestimmung von Landbildern spielerisch sichtbar gemacht.

Entwickelt wurden die Touch-Walls von einem Team aus Gestalter*innen und Programmierer*innen rund um das Wiener Designstudio dform. Das Social Image Tagging-Spiel ARTigo wurde an der Ludwig-Maximilians-Universität München entwickelt.

Nachhaltige Ausstellungsarchitektur

Die Ausstellungsarchitektur basiert aus dem von dform entworfenen System „bars & knots“. Das System zitiert den asiatischen Gerüstbau und ist in jede Richtung frei skalierbar. Die Bauteile stammen aus heimischer Produktion und werden nach Abbau der Ausstellung wiederverwendet.

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