Erweiterungsprojekt: Stadt-Land-Bild

Stadt-Land-Bild. Eine soziale Bildanalyse zeitgenössischer Sehnsuchtserscheinungen

Inmitten der digitalen Revolution, der weltweiten Krisen und einer globalen Verunsicherung steht der zeitgenössische Trend der Rückwärtsorientierung. Dieses Phänomen – vom Soziologen Zygmunt Baumann (2017) als „Retrotopia“ bezeichnet – wird von einer Sehnsucht nach Authentizität, Einfachheit und Sicherheit begleitet. Das Ländliche wird dabei bewusst in Verbindung mit konservativ aufgeladenen Werten wie Kernfamilie, Arbeit und Heimat gesetzt und aktiv gegen das „Fremde“ und „Andere“ in Stellung gebracht.

Stadt-Land-Bild erweitert die visuelle und materielle Analyse des Sparkling-Science-Projekts Stadt-Land-Kind durch die Etablierung des Ausstellungsraums als Forschungslandschaft für Citizen Science. Im sozialen Umfeld der Ausstellung werden Sehnsuchtsbilder vom Land im Dialog verhandelt. Hier kommen Citizen Scientists mit unterschiedlichen Wahrnehmungen, Meinungen und Erfahrungen zusammen, um sentimentale und ideologisch aufgeladene Sehnsuchtserscheinungen zwischen Stadt und Land zu reflektieren und einen gemeinsamen Beitrag zu einem offenen Heimatbegriff zu leisten.

Über eine raumgreifende multimediale Installation aus weitläufigen Touch-Screen-Wänden können die Fotografien Projekts erfahren und erforscht werden. Das Programm baut auf die Durchführung von intergenerativen Bildgesprächen und Workshops sowie auf offene Forschungssitzungen zu Hochzeiten des Museums. Geforscht wird mit dem Social Image Tagging-Spiel ARTigo und mit den vom ARTigo Analytics Center angebotenen Tools zur sozialen Bildanalyse. Dabei können die Citizen Scientists sowohl Bilder beschreiben als auch die von ihnen selbst und anderen gemachten Beschreibungen statistisch analysieren. Die Teilhabe erfordert keine Vorkenntnisse.

Stadt-Land-Bild setzt den intergenerativen Forschungszugang des Sparkling Science-Projekts Stadt-Land-Kind mit Fokus auf Schüler*innen und deren Familien fort und bietet allen Generationen – Kindern und Jugendlichen, Erwachsenen und Senior*innen – die Möglichkeit der Teilhabe. Ein offener Zugang zur Forschungsstation während der gesamten Öffnungszeiten des Museums (Ausstellungsdauer: 5. April bis 2. Juni 2019) sowie die Möglichkeit einer Online-Teilnahme erlauben darüber hinaus die Zusammenarbeit mit Bürger*innen.

Die Beiträge der Teilnehmenden gehen zum einen sofort in den Ausstellungskontext über und sind so anderen Besucherinnen und Besuchern direkt als Ergebnis der Forschung zugänglich. Zum anderen bilden die Auswertungen der teilnehmenden Citizen Scientists die Grundlage für weitere Analysen der Forschenden. In der Betrachtung und Bestimmung der Sehnsuchtsbilder vom Land gilt es gemeinsame Perspektiven sowie Differenzen auszumachen.